Zu Hause: Geborgenheit und Sicherheit, auch unter der Geburt?

Zu Hause: Geborgenheit und Sicherheit, auch unter der Geburt?

Hausgeburten haben eine lange Tradition und sind auch in Deutschland weiterhin ein wichtiger und fester Bestandteil des Betreuungsangebots von Hebammen. Der Wunsch nach dem Angebot außerklinischer Geburten steigt stetig an. Was sind die Vorteile einer Hausgeburt für Hebammen und Frauen?  

Trotz sinkender Geburtenrate in Deutschland, steigt der Anteil außerklinischer Geburten seit zwanzig Jahren kontinuierlich. 2024 waren es 1,9% (1). Etwas weniger als die Hälfte von diesen rund 13.000 Kindern, wurden zu Hause geboren (2). 
Damit bewegt sich Deutschland im oberen Durchschnitt der Hausgeburtsraten in den High-Income-Countries1 (HICs). Denn es zeigt sich: Je entwickelter ein Gesundheitssystem ist, desto höher ist der Anteil der klinischen Geburten. Blickt man auf die Low- and Middle-Income-Countries (LMIC), so finden sich Hausgeburtsraten von 50-80% (3). Diese Zahlen sind durch das Fehlen eines tatsächlichen Zugangs zu geburtshilflichen Einrichtungen zu erklären. Sie gehen mit sehr hohen Raten maternaler Mortalität einher, mit mehreren hundert Fällen pro 100.000 Schwangerschaften (3). Die Sicherheit von Hausgeburten hängt also damit zusammen, ob es sich dabei um einen alternativlosen Geburtsort handelt, wie die äußeren Umstände sind, wer die Geburt begleitet und welche Risikofaktoren die Frau mitbringt.
Im Folgenden stellen wir dar, wie unterschiedlich Regelungen zu Hausgeburten im internationalen Vergleich sein können, welche Vorteile eine Hausgeburt für die Frau und auch die Hebamme mit sich bringen kann und was man für eine sichere und gute Hausgeburtshilfe braucht.  

Regulationen und Einschränkungen in Deutschland  

Hausgeburten sind in Deutschland im Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen beinhaltet. In diesem Zusammenhang existiert eine Vielzahl von Regelungen und Vorgaben. In einem Beiblatt zum Vertrag über Hebammenversorgung nach §134a SGB V, werden anamnestische oder befundete Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld festgelegt (4). Hinzu kommt das Erfordernis, dass sich die Hebamme vergewissern muss, dass die Rahmenbedingungen des geplanten Geburtsortes für eine außerklinische Geburt im häuslichen Umfeld genügen.

Zudem gibt es eine weitere Hürde beim Zugang zu Hausgeburten: die Rufbereitschaftspauschale. Unseren Recherchen zu Folge ist die Preisspanne der Pauschalen sehr groß, sie bewegen sich zwischen 250Euro und 1400 Euro (sofern sie überhaupt vorab auf den Websites zu entnehmen waren). Die Rufbereitschaft muss von der Schwangeren gezahlt werden und kann teilweise von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet werden. Die Kostenübernahme variiert und, beläuft sich in der Regel auf 250 Euro bis maximal 300 Euro, in einem Ausnahmefall auf 750 Euro(5).

Festzustellen ist an dieser Stelle also, dass erst mal einige Kriterien erfüllt sein müssen, damit eine Hausgeburt stattfinden kann. Neben den Ausschluss von anamnestischen oder befundeten Risiken, müssen auch die räumlichen Gegebenheiten und die finanziellen Mittel der Familie eine Hausgeburt ermöglichen.  

Allgemeine Vorteile von Hausgeburten 

Hausgeburten eignen sich nur für Frauen mit einem geringen Risikoprofil. Es gibt eine Reihe von wissenschaftlichen Arbeiten (6-8), die belegen, dass die Hausgeburtshilfe für diese Gruppe von Frauen genauso sicher ist, wie die klinische Geburtshilfe. Auch der jährlich erscheinende Qualitätsbericht der Gesellschaft für Außerklinische Geburtshilfe e.V. (QUAG) (1) untermauert dies.
Auch sind in diesem Setting kaum bis keine Interventionen möglich, höchstens eine dauerhafte Überwachung der fetalen Herzfrequenz, wobei der Einsatz von Dauer-CTG unserer Erfahrung sehr selten in der außerklinischen Geburtshilfe zu finden ist.

Sollten Interventionen nötig werden, weil Abweichungen oder Komplikationen auftreten bzw. drohen, so ist eine Überleitung in das klinische Setting indiziert. Die höchste Rate an Verlegungen findet sich unter den Erstgebärenden. 2024 fanden 36,2% der außerklinisch geplanten und dort begonnen Geburten nach einer Überleitung in der Klinik statt. Bei der Gruppe der Zweit- bzw. Dritt- oder Mehrgebärenden lag dieser Anteil im einstelligen Bereich.  

Quelle: QUAG, 2024 (1). 

Vorteile und Gründe aus Sicht der Gebärenden 

In einer finnischen Studie aus dem Jahr 2017 wurden mit Hilfe von Interviews die Erfahrungen von Frauen nach Hausgeburten analysiert (9). Der am stärksten betonte Grund für eine Hausgeburt war für die Frauen das Gefühl von Autonomie und Kontrolle über den Prozess und die Umgebung. Sie empfanden sehr viel Vertrauen in ihre Hebamme, insbesondere, weil diese ihnen schon bekannt war.
Eine weitere wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2025 erfasst auch die Wahrnehmung von Frauen, dass die Umgebung in einem Krankenhaus geburtshilfliche Komplikationen begünstigen würden (8). Dazu gehörten für sie beispielweise ein zu hohes Arbeitsaufkommen für das Personal und dadurch schlechte Versorgung oder die Begleitung durch nicht bekannte Personen.
Das Bedürfnis nach Kontrolle kann in diesem Zusammenhang unterschiedliche Wirkrichtungen haben. Sicherlich spielt die Kontrolle über die Räume, der Zugang zu einem eigenen Bad, der uneingeschränkten Verfügbarkeit einer Dusche oder Wanne eine große Rolle (8). Genauso die Kontrolle darüber, wer der Geburt beiwohnt. Bei einer Hausgeburt sind bekannte Hebammen, aber auch (mehr) Familienmitglieder oder Geschwisterkinder anwesend. Einige Frauen berichteten auch, dass sich die Geburt so gut in ihren Alltag eingegliedert hat (9).  
Das Bedürfnis nach Kontrolle kann aber auch aus einer Angst, aufgrund von Berichten oder eigenen Erfahrungen erwachsen. Manche Frauen hatten bei vorangegangen Geburten respektloses und gewaltvolles Verhalten ihnen gegenüber erfahren (8, 9). Die subjektive Schilderung der vorangegangenen Geburten sollte daher immer erhoben werden, um eine angemessene und sensible Betreuung zu gewährleisten.

Ein weiterer Grund, der auf Zweit- oder Mehrgebärende zutrifft, sind bereits unkompliziert verlaufene Geburten. Gestärkt durch die Erfahrung und das Wissen um die eigenen Fähigkeiten, können sich Frauen dann zum Teil eher eine Geburt in der Häuslichkeit vorstellen. Aus geburtshilflicher Sicht auch eine sinnvolle Entscheidung, da bei vielen Komplikationen ein Wiederholungsrisiko besteht. Aus dem Verlauf vorangegangener Geburten, kann man viel schließen und zumeist eine gute Prognose abgeben. Damit stimmt auch die britische Leitlinie überein, die Zweitgebärenden ohne oder mit nur geringen Risiken die außerklinische Geburt empfiehlt (10). 

Vorteile und Gründe für die Hebamme 

Aus der Perspektive von Hebammen ergeben sich auch einige Vorteile oder Gründe, Hausgeburten anzubieten. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass Betreuungsmodelle, die eine geplante Hausgeburt beabsichtigen, auf den Prinzipien kontinuierlicher Hebammenversorgung basieren.
Sehr eindrücklich sind die beschrieben Erfahrungen australischer Hebammen(12): Seit den frühen 2000er Jahren wurden in Australien die Möglichkeiten für Hausgeburten ausgebaut. Zuvor war es nur als private Leistung möglich. Durch die neuen Programme besteht nun die Möglichkeit eine Hausgeburt in Anspruch zu nehmen, welche durch die öffentliche Krankenversicherung abgedeckt ist. Die Hebammenbetreuung erfolgt hier durch Hebammen, die an dem jeweils kooperierenden Krankenhaus angestellt sind. Die meisten Hebammen hatten zu Beginn des Programms nur wenig Erfahrungen mit außerklinischer Geburtshilfe, da es kein Teil ihrer Ausbildung war und es ohnehin nur wenige Hausgeburten gab.  
In Folge ihrer jetzigen Erfahrungen in der Hausgeburtshilfe beschrieben sie, eine neue Einstellung zur Geburt zu haben und diese in einem neuen Licht zu sehen. Aufgeführt wurde auch eine höhere Zufriedenheit, da sie nun das gesamte Spektrum der Hebammenarbeit abdecken können. Sie beschrieben, dass sie sich viel stärker auf das Geburtserleben konzentrieren können und weniger abgelenkt sind. Auch gingen sie davon aus, dass sich ihre Fähigkeiten durch diese Einsätze erweitert hätten, da sie umfassenderes Wissen und Fertigkeiten bezüglich Reanimationsmaßnahmen bei Neugeborenen und Erwachsenen haben müssten. 

Was brauche ich für eine Hausgeburt?  

Es braucht gute Organisation, in jeglicher Hinsicht! Hier nur ein kleiner Überblick:
Vor der Geburt muss erhoben werden, ob eine außerklinische Geburt möglich ist. Die Frau muss ausführlich über den Geburtsort aufgeklärt werden, mit allen Vor- und Nachteilen, außerdem wann und wie eine Überleitung erfolgen würde. Sie sollte sich bei einer nahegelegenen Klinik anmelden. Die Hebamme beurteilt, ob die GKV-Kriterien (4) erfüllt sind, ebenso, ob die Räumlichkeiten geeignet sind. Nicht zuletzt liegt es im Ermessen der Hebamme, ob sie sich die Zusammenarbeit während der Geburt mit der Frau vorstellen kann und ein gegenseitiges vertrauensvolles Verhältnis besteht.
Hausgeburten können nicht im Kalender geplant werden. Es muss also rund um die Uhr eine Hebamme für die Frau im Geburtszeitraum erreichbar sein. Das bedeutet immer einen Plan B für private Verpflichtungen zu haben und andere berufliche Termine, wie Wochenbettvisiten, auch kurzfristig absagen zu müssen. Zur Geburt wird eine zweite Hebamme dazu gerufen. Mit ihr muss eine Kommunikation über den Geburtsbeginn und die wichtigsten anamnestischen Informationen und Befunde zu gegebener Zeit stattfinden.  
Die Hebamme kennt die umliegenden Kliniken und hat die Telefonnummern parat, sodass sie bei Bedarf frühzeitig Kontakt mit dem Kreißsaal aufnehmen kann. Beispielsweise um die aktuelle Auslastung zu erfragen. In der Regel begleitet die Hebamme die Frau bei der Überleitung, sodass die Übergabe vor Ort stattfinden kann. Sollte dies nicht möglich sein, ist die Übergabe telefonisch zu leisten. Es ist eine gute Dokumentation zu führen, die im Falle einer Überleitung aktuell ist.  
Des Weiteren muss die Hebamme ihre Fachkompetenz und Notfallkompetenz durch regelmäßige Fortbildungen und Trainings sicherstellen.
Ein weiterer Aspekt, der viel Organisation während, vor und nach einer Geburt benötigt, ist die Sicherstellung von verlässlichem Material. Das bedeutet, alle wichtigen Medikamente, Instrumente und Geräte mitzubringen, auch für den Notfall. Unverzichtbar sind unter anderem:  

  • Instrument zur Kontrolle der fetalen Herzfrequenz, idealerweise ein geburtshilflicher Fetal-Doppler oder ein CTG  
  • Neugeborenen Pulsoximeter 
  • Geeichte Waage und Maßband 
  • Blutdruckmanschette und Stethoskop  
  • Handschuhe: steril und unsteril  
  • Medikamente (insbesondere krampflösend und für den Fall von auftretenden Blutungen) und Material zur Verabreichung (i.v. oder i.m.) 
  • Material zum Abnabeln: Klemmen, Schere  
  • Material für eine Naht: Nadelhalter, Schere, Tupfer, Faden sowie Lokalanästhetikum 
  • Desinfektionsmittel: für Haut, Schleimhaut, Hände sowie Flächen uns Instrumente 
  • Ambu-Beutel für Kind und Mutter  
  • Thermometer  

Fazit  

Nicht jede Frau darf oder kann eine Hausgeburt in Anspruch nehmen. Auch möchte nicht jede Hebamme in der Hausgeburtshilfe arbeiten.  
Aber: Hausgeburten sind sicher, wenn sie durch fachkundige und erfahrene Hebammen begleitet werden. Hebammen in allen Bereichen können mit Frauen in Kontakt kommen, die eine Hausgeburt planen oder geplant haben. Um die Frauen angemessen und respektvoll zu beraten, ist es für alle Hebammen wichtig, über die Vorteile und Kriterien der außerklinischen Geburtshilfe gut informiert zu sein.
Die Beratung sollte sachlich und neutral sein. In der Literatur wurde beschrieben, dass negative Reaktionen aus dem persönlichen Umfeld oder seitens des medizinischen Personals dazu führen können, dass geplante Hausgeburten verheimlicht werden. In Großbritannien wird mit tollem Beispiel vorangegangen: Der NHS (National Health Service) bietet hier proaktiv offene und wertfreie Gespräche über den Geburtsort an (13). 

 

Quellen:

  1. Schäfers R. Qualitätsbericht Außerklinische Geburtshilfe in Deutschland im Auftrag der "Gesellschaft für Qualität in der Außerklinischen Geburtshilfe e.V."; 2024. 
  2. DHV. QUAG-Qualitätsbericht 2024: Außerklinische Geburten weiterhin sehr sicher 2025 [Available from: https://hebammenverband.de/quag-qualitaetsbericht-2024-ausserklinische-geburten-weiterhin-sehr-sicher. 
  3. Campbell OM, Calvert C, Testa A, Strehlow M, Benova L, Keyes E, et al. The scale, scope, coverage, and capability of childbirth care. The Lancet. 2016;388(10056):2193–208. 
  4. GKV-Spitzenverband. Beiblatt 1: Kriterien zu Geburten im häuslichen Umfeld Zur Anlage 3 Qualitätsvereinbarung zum Vertrag nach §134a SGB V2020. 
  5. Krankenkasseninfo. Hebammen-Rufbereitschaft  [Available from: https://www.krankenkasseninfo.de/test/hebammen-rufbereitschaft#:~:text=Wann%20kann%20die%20Rufbereitschaft%20in,Betreuung%20der%20Mutter%20verantwortlich%20war. 
  6. Olsen O, Clausen JA. Planned hospital birth compared with planned home birth for pregnant women at low risk of complications. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2023(3). 
  7. Rossi AC, Prefumo F. Planned home versus planned hospital births in women at low-risk pregnancy: A systematic review with meta-analysis. European Journal of Obstetrics & Gynecology and Reproductive Biology. 2018;222:102–8. 
  8. Chauncy CC, Dawson K, Bayes S. What do safety and risk mean to women who choose to birth at home? A systematic review. Midwifery. 2025:104340. 
  9. Jouhki M-R, Suominen T, Åstedt-Kurki P. Giving birth on our own terms–Women's experience of childbirth at home. Midwifery. 2017;53:35–41. 
  10. NICE. Intrapartum Care - NICE Guideline 2023. 
  11. Sandall J, Fernandez Turienzo C, Devane D, Soltani H, Gillespie P, Gates S, et al. Midwife continuity of care models versus other models of care for childbearing women. Cochrane Database Syst Rev. 2024;4(4):CD004667. 
  12. Coddington R, Catling C, Homer CS. From hospital to home: Australian midwives’ experiences of transitioning into publicly-funded homebirth programs. Women and Birth. 2017;30(1):70–6. 
  13. NHS. Where to give birth: the options  [Available from: https://www.nhs.uk/pregnancy/labour-and-birth/where-to-give-birth-the-options/.