Hebamme - Ein reiner Frauenberuf?!

Hebamme - Ein reiner Frauenberuf?!

Der Ursprung der Hebammenarbeit, nämlich die Anwesenheit bei Geburten, muss so alt sein wie die Menschheit selbst. Die Hebammenprofession ist als Tätigkeit von Frauen für Frauen entstanden. So leitet sich zum Beispiel das englische Wort midwife aus dem Mittelenglischen mid wif ab und lässt sich als „mit der Frau” übersetzen (1).  Heute am Weltfrauentag wollen wir darauf blicken, was das „von Frau zu Frau“ heute bedeutet und ob es sich um einen reinen Frauenberuf handelt.

Die Arbeit von Hebammen spielt sich an einem neuralgischen Punkt der Gesellschaft ab. Es geht bei der Arbeit der Hebammen nicht nur darum, dass am Ende der Betreuung alle zufrieden und bei bester Gesundheit sind. Es ist im beruflichen Alltag nicht immer spürbar. Betrachtet man das Thema aber aus einer etwas weiteren Perspektive, wird klar, dass es bei der Arbeit immer um fundamentale Rechte von Frauen geht. Ganz prominent dabei: Ihre reproduktiven Rechte.
So sind Hebammen tagtäglich mit den Ergebnissen der gesellschaftlichen Position von Frauen und den Auswirkungen politischer Entscheidungen konfrontiert.
Wenn zum Beispiel die Unterstützung ab dem 2. Lebensmonat fehlt, weil die Familie weiter weg wohnt und der Partner/ die Partnerin wieder arbeiten muss. Verschärft wird es außerdem dadurch, dass man nur noch einen Monat gemeinsam Elterngeld beziehen darf und die finanzielle Situation es nicht anders erlaubt (2).

Blicken wir noch einmal auf die Geschichte der Hebammen zurück, so wird deutlich, dass sich ihre Arbeit im Verlauf der Geschichte stark verändert hat. Heute spricht man von einer Profession. In Anerkennung der Komplexität des Berufes ist ein Studienabschluss zu Erlangung der Berufserlaubnis notwendig. Seit 1985 dürfen und auch Männer Hebammen werden. Das liest sich gut.
Dennoch klagen Hebammen weiterhin über eine unzureichende fachliche aber vor allem finanzielle Anerkennung ihrer Arbeit. De facto gibt es Aufwertungen durch die neue Eingruppierung im TVöD oder die Bezahlung nach Zeit für freiberufliche Hebammen in der Wochenbettbetreuung. Doch fehlt es an erforderlichen beruflichen Weiterentwicklungs- und Aufstiegsmöglichkeiten (3). Damit sind attraktive Karrieremöglichkeiten gemeint, die eine höhere Autonomie in der Ausübung der Tätigkeit erlauben. Genauso muss die Forschung und Lehre der Hebammenwissenschaft ausgebaut und gestärkt werden, damit es auch wissenschaftlichen Nachwuchs geben kann.  

Hebammen erfahren eine hohe gesellschaftliche Anerkennung. Sie tragen ausgesprochen viel Verantwortung. Warum existiert also diese Diskrepanz zwischen Anforderung und Entlohnung bzw. Möglichkeiten?
Könnte der Ursprung in einer strukturellen Abwertung weiblicher Arbeit liegen (4)?
In Deutschland gibt es männliche Hebammen, wenn auch nicht so viele. In der Betreuungsplanung steht zwar die Frau im Zentrum, jedoch eingebunden in ihrer Lebensrealität und unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des gesamte Familiensystems.  

Die Arbeit von Hebammen ist genau genommen also kein reiner Frauenberuf. Es sind nicht nur Frauen, die als Hebamme arbeiten. Es sind nicht nur Frauen, die die Leistungen von Hebammen erfahren. Dennoch unterliegt die Profession weiterhin ihrem historischen Ursprung und der Tradition, das Kinderkriegen als ein primär weibliches Thema auszugestalten. Gemeint sind damit die politischen Entscheidungen, die das Arbeitsfeld der Hebammen direkt oder indirekt betreffen. Sei es das Elterngeld oder auch die Lohngerechtigkeit.
Heute am 8. März stehen die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegungen, aber noch viel mehr die anhaltenden Ungerechtigkeiten im Vordergrund. 
Wir von Rikepa stehen an der Seite der Hebamme und damit an der Seite der Frauen.  
Wir stehen für die Durchsetzung reproduktiver Rechte und Selbstbestimmung.  
Wir stehen für eine gute Arbeitsbedingungen und gute Bezahlung, insbesondere in Berufen in denen größtenteils Frauen arbeiten.   

Quellen: 

(1) https://www.etymonline.com/word/midwife 

(2) https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/themen/familie/familienleistungen/neuregelungen-beim-elterngeld-fuer-geburten-ab-1-april-2024-sowie-ab-1-april-2025-228588 

(3) https://www.wissenschaftsrat.de/download/2023/1548-23 

(4) https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-warum-frauenarbeit-schlechter-bezahlt-ist-7773.htm